Das Ende der Entbindungsstation im Krankenhaus Hietzing: Eine neue Ära der Spezialisierung

Die Wiener Gesundheitsversorgung durchläuft eine der größten Transformationen der letzten Jahrzehnte. Ein zentraler und emotionaler Punkt dieser Reform ist die Ankündigung der Schließung der Entbindungsstation an der Klinik Hietzing (Klinik Hietzing) zu Beginn des Jahres 2027. Diese Entscheidung ist nicht zufällig, sondern Teil des strategischen Plans „Wien 2030″, der darauf abzielt, die medizinische Versorgung zu zentralisieren und spezialisierte Exzellenzzentren zu schaffen.

Die Entbindungsstation in Hietzing hat eine lange Geschichte und derzeit werden hier im Durchschnitt fünf Kinder pro Tag geboren, was etwa 1.500 bis 1.800 Geburten pro Jahr entspricht. Obwohl dies eine bedeutende Zahl ist, erscheinen solche kleineren Abteilungen aus der Sicht des modernen Gesundheitsmanagements weniger effizient im Vergleich zu großen perinatologischen Zentren.

Der Grund für die Schließung ist nicht die Unzufriedenheit mit der Qualität der Versorgung, sondern der Versuch, Fachteams und technische Ausstattung zu konzentrieren. Der Wiener Gesundheitsverbund (Wiener Gesundheitsverbund – WIGEV) argumentiert, dass größere Entbindungsstationen besser auf komplizierte Fälle reagieren und eine kontinuierliche Präsenz eines breiten Spektrums von Spezialisten, von Neonatologen bis zu Anästhesisten, gewährleisten können.

Wohin werden die Geburten verlegt?

Schwangere Frauen aus dem Gebiet Hietzing und den umliegenden Bezirken müssen sich jedoch keine Sorgen um einen Mangel an Betten machen. Die Kapazitäten, die in Hietzing wegfallen, werden vollständig in anderen städtischen Krankenhäusern ersetzt und erweitert. Die Hauptlast wird von folgenden Einrichtungen übernommen:

Die Klinik Ottakring: Dieses Krankenhaus wird umfassend modernisiert, und seine gynäkologisch-geburtshilfliche Abteilung wird zu einem der Pfeiler der Versorgung im westlichen Wien.

Die Klinik Favoriten und das AKH: Diese Einrichtungen werden weiterhin als zentrale Anlaufstellen für komplizierte Geburten und Risikoschwangerschaften dienen.

Neue Ausrichtung: Zentrum für Onkologie und Endokrinologie

Die Schließung der Entbindungsstation bedeutet nicht den Niedergang der Klinik Hietzing. Im Gegenteil, das Gelände soll zu einer Spitzeninstitution für spezifische Bereiche der Medizin werden. Laut der offiziellen Strategie wird sich die Klinik ab 2027 vollständig auf folgende Bereiche spezialisieren:

Brustgesundheit: Ausbau des bestehenden Brustzentrums, das eine umfassende Diagnostik und Behandlung von Brustkrebs auf höchstem europäischem Niveau anbieten wird.

Onkologie: Hietzing wird zu einem der Hauptstandorte für die Behandlung von bösartigen Tumoren, wobei eine enge Zusammenarbeit zwischen chirurgischen und internistischen Fachbereichen erwartet wird.

Hormonelle Erkrankungen (Endokrinologie): Die Klinik wird die Rolle eines Expertenzentrums für die Behandlung von Schilddrüsenerkrankungen, Diabetes und anderen Stoffwechselerkrankungen übernehmen.

Diese Profilierung macht Sinn – die Bevölkerung Wiens wird älter, und die Nachfrage nach onkologischer und endokrinologischer Behandlung wächst schneller als die Nachfrage nach Hebammen.

Kritik und Bedenken des Personals

Trotz der rationalen Argumente der Stadtverwaltung hat die Entscheidung eine Welle von Diskussionen ausgelöst. Die Mitarbeiter der Entbindungsstation, von denen viele seit Jahrzehnten in Hietzing arbeiten, zeigen sich enttäuscht. Sie befürchten den Verlust der familiären Atmosphäre, für die diese kleinere Entbindungsstation bekannt war.

Die Stadtverwaltung versichert jedoch, dass niemand seinen Job verlieren wird. Ärzte, Hebammen und Pflegepersonal erhalten Angebote für einen Wechsel zu anderen Kliniken innerhalb von WIGEV, insbesondere nach Ottakring, wo ihre Erfahrungen entscheidend für die Bewältigung der steigenden Zahl von Geburten sein werden.

Der breitere Kontext der Reform „Wien 2030“

Die Reform, die auch die Veränderungen in Hietzing umfasst, reagiert auf den globalen Mangel an medizinischem Personal. Die Zersplitterung von Spezialisten in viele kleine Abteilungen erschwert die Bereitstellung von Dienstleistungen. Durch die Zentralisierung in größeren Einheiten wird Folgendes erwartet:

Bessere Vertretbarkeit des Personals.

Effizientere Nutzung teurer diagnostischer Geräte (MRT, CT, spezielle Operationsroboter).

Steigerung der Behandlungsqualität durch eine höhere Anzahl an durchgeführten Eingriffen an einem Ort (sogenannte „Routine des Spezialisten“).

Die Klinik Hietzing wird somit im Jahr 2027 ein Kapitel ihrer Existenz schließen, um ein Schlüsselakteur im Kampf gegen Zivilisationskrankheiten zu werden. Für die Bewohner des 13. Wiener Bezirks bedeutet dies, dass sie für Geburten ein paar Kilometer weiter reisen müssen, aber im Falle einer Krebserkrankung finden sie erstklassige Hilfe direkt in ihrer Nachbarschaft.

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Quellen: Wiener Gesundheitsverbund (WIGEV): Offizielle Berichte über den strategischen Entwicklungsplan der Wiener Stadtkliniken bis 2030.

ORF Wien (Wien.ORF.at), Foto: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Gesamtanlage,_Krankenhaus_der_Stadt_Wien_Lainz_(128421)_IMG_9413.jpg Von Tokfo – Eigenes Werk, CC0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=35113062