Hitzewellen öffnen die Tore der Schwimmbäder früher, Schulen finden Zuflucht vor den Vierzigern

Meteorologische Vorhersagen für Mitteleuropa in den kommenden Tagen bereiten Ärzten und Klimaforschern ernsthafte Sorgen. Die extreme Hitzewelle, die in den letzten Tagen die südlichen Teile des Kontinents heimgesucht hat, zieht unaufhaltsam nach Norden und wird auch die österreichische Hauptstadt treffen. Meteorologen erwarten am kommenden Wochenende in Wien Temperaturrekorde, die die Grenze von vierzig Grad Celsius erreichen könnten. Auf diese beispiellose Situation, die eine direkte Bedrohung für die öffentliche Gesundheit darstellt, reagiert auch das Wiener Rathaus mit einer operativen Änderung seiner bisherigen Pläne.

Die Wiener Stadtverwaltung hat sich unter dem Druck ungünstiger klimatischer Umstände entschieden, ihre vorherigen restriktiven Maßnahmen, die beliebte städtische Erholungsgebiete betrafen, zu überdenken. Die sogenannten Familienbäder, die ein spezifisches Format städtischer Infrastruktur für Eltern mit kleinen Kindern darstellen, werden ab dem kommenden Samstag der Öffentlichkeit bereits ab zehn Uhr morgens zur Verfügung stehen. Damit hebt die Stadt eine nur wenige Monate alte Sparmaßnahme auf, die helfen sollte, die Stadtkasse zu konsolidieren, sich im Kontext der bevorstehenden Klimakrise jedoch als nicht tragfähig erwiesen hat.

Wenn das Klima die Haushaltskürzungen besiegt

Zu Beginn dieses Jahres stand die Wiener Stadtverwaltung vor der schwierigen Aufgabe, den städtischen Haushalt zu sanieren und Einsparungen dort zu finden, wo die Öffentlichkeit möglichst wenig spüren sollte. Die Wahl fiel damals auch auf die Öffnungszeiten der Familienbäder in der Zeit vor Beginn der Sommerferien. Da Statistiken aus den Vorjahren zeigten, dass diese Anlagen im Mai und Juni vormittags leer waren, verschob das Magistrat deren Öffnungszeiten auf dreizehn Uhr nachmittags. Dieser Schritt sollte erhebliche finanzielle Mittel bei Personalkosten, Energie und Wartung einsparen, während die meisten Kinder in den Schulbänken sitzen.

Die Natur hat jedoch gezeigt, dass die tabellarische Planung der Beamten die realen Auswirkungen des Klimawandels ignoriert. Der erwartete Temperaturstoß zwang die verantwortlichen Politiker, schnell und pragmatisch zu handeln. Der Wiener Stadtrat für Klima und Schwimmbäder, Jürgen Czernohorszky, bestätigte, dass der Schutz der Gesundheit der Bevölkerung vor extremer Hitze in diesem Moment absolute Priorität vor der Haushaltsdisziplin hat. Seinen Worten zufolge werden die städtischen Schwimmbäder als integraler Bestandteil der Infrastruktur Hitzeschutz (Schutz vor Hitze) wahrgenommen, deren Aufgabe es ist, insbesondere verletzlichen Bevölkerungsgruppen ein sicheres Zufluchtsort zu bieten. Dazu gehören vor allem Senioren und kleine Kinder, für die ganztägige Aufenthalte in überhitzten städtischen Wohnungen oder auf betonierten Straßen gesundheitliche Risiken darstellen können.

Schulen steuern statt Klassenräume zum Wasser

Die außergewöhnliche Entscheidung des Magistrats wird auch unmittelbare Auswirkungen auf das Funktionieren des Wiener Schulsystems in den letzten Tagen des Schuljahres haben. Vor den Ferien, die in Österreich offiziell am 3. Juli beginnen, ist der Unterricht in den Klassen oft formell, doch der Aufenthalt in unklassifizierten und schlecht belüfteten historischen Schulgebäuden wird bei vierzig Grad für Schüler und Lehrer zur Qual.

Wien kommt daher mit einer logischen Lösung und öffnet die kostenlosen Familienbäder vormittags auch für organisierte Schulgruppen. Schüler der Grund- und Sekundarschulen können somit die Vormittage im Schatten der Bäume und im kühlen Wasser verbringen, was das Risiko von Hitzschlägen und Hitzekollaps erheblich verringert. Dieser Schritt fand sofortige Unterstützung bei den Vertretern der Beschäftigten im Bildungswesen. Karin Medits-Steiner, die die Personalvertretung der Wiener Pflichtschulen leitet, äußerte große Zufriedenheit mit der Entgegenkommen der Stadt. Sie betonte, dass die Schwimmbadareale für die Wiener Kinder und deren Pädagogen in der kommenden Woche zu entscheidenden Punkten des Schutzes vor Hitzekollaps werden.

Klassische Sommeranlagen bleiben im vollen Betrieb

Während die Familienbäder im Notbetrieb mit verlängerten Öffnungszeiten sind, setzt das Netzwerk der großen Wiener Sommerbäder seinen regulären Sommerbetrieb fort. Den Bewohnern und Besuchern der Stadt stehen insgesamt neunzehn städtische Freibäder zur Verfügung, die für die Bewältigung des massiven öffentlichen Interesses ausgelegt sind. Diese Anlagen sind von acht Uhr morgens bis acht Uhr abends geöffnet, wobei an Werktagen der Betrieb eine Stunde später, also um neun Uhr beginnt.

Die Verfügbarkeit von Wasserflächen und Grünflächen erweist sich als entscheidender Faktor für die Bewältigung von Sommerhitze-Wellen in urbanen Umgebungen. Wien gehört seit langem zu den Städten mit einer durchdachten Strategie zur Anpassung an den Klimawandel, wobei der Schwerpunkt auf der Erhaltung des Zugangs zu Erholungsgebieten für alle sozialen Schichten liegt. Die Entscheidung, die Familienbäder früher zu öffnen, ist ein Beispiel dafür, wie moderne Stadtverwaltungen flexibel auf Krisensituationen reagieren und das Wohl der Bürger über genehmigte wirtschaftliche Sparpläne stellen können. Man kann nur hoffen, dass diese Maßnahmen den Wienern helfen, das bevorstehende tropische Wochenende ohne ernsthafte gesundheitliche Folgen zu überstehen.

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Verwendete Quellen:

Stadt Wien

Illustrationsfoto: https://www.pexels.com/de-de/foto/nass-pool-kind-baden-9043981/