Evitin Diár: Wie ich nach Wien gezogen bin, als es im Handy noch kein Internet gab

Schon als Kind wusste ich, dass es mich woanders hinzieht, als in meiner Heimatstadt zu leben. Bei uns zu Hause war das familiäre Umfeld nicht sehr gesund, deshalb wurde mir schon während der Oberstufe immer klarer, dass ich so weit wie möglich wegziehen möchte. Meine erste Wahl war Bratislava, aber da es von dort nur ein Katzensprung nach Wien ist, das mich schon immer fasziniert hat, dauerte es nicht lange, bis die Entscheidung fiel, es hier zu versuchen.

Als junge Person hatte ich die naive Vorstellung, dass ein Umzug in ein anderes Land wie der Umstieg von einem Zug in den anderen ist, aber ich musste sehr schnell erkennen, dass ich von dieser Wolke herunterkommen und mich viel komplizierteren Realitäten stellen musste. Trotzdem ist diese Zeit voller unvergesslicher Erlebnisse. Es waren nicht immer positive Erfahrungen, manchmal passierten Dinge, die mir wegen ihrer Bizarrheit und ihres Humors im Gedächtnis geblieben sind.

Die Anfänge waren wirklich schwierig. Zunächst einmal hat mich die Sprachbarriere überrascht. Ich, die ich in Deutsch mit 1 abgeschlossen habe, dachte, ich hätte keine Probleme, aber die Realität hat mich sehr schnell zurückgeholt, und ich war froh, dass ich mir wenigstens Grundnahrungsmittel kaufen und einen Kaffee bestellen konnte.

Ich musste mich auch an einen völlig anderen Lebensstil gewöhnen. An die unpersönliche und kalte Atmosphäre einer multikulturellen Großstadt. Plötzlich hatte man keine Familie, keine Freunde, die einen gut kannten, oder zumindest keinen Ort, an dem man sich zu Hause zurückziehen konnte. Ich hatte hier niemanden, keine Bekannten, keine Unterkunft und in der Tasche nur Luft. Noch in Bratislava hatte ich auf eine Anzeige in slowakischer Sprache bezüglich einer Unterkunft reagiert. Ich landete in einer Zweizimmerwohnung mit sechs anderen Leuten. Das wäre noch in Ordnung gewesen. Aus dem Internatsleben war ich an allerlei gewöhnt. Der größte Kulturschock kam, als ich herausfand, dass man zur Toilette draußen auf den Flur gehen muss und wir sie uns noch mit einer anderen Wohnung teilen.

Mit meinem mageren Deutsch hatte ich auch nicht viele Möglichkeiten, einen Job zu finden, und das zu einer Zeit, als der Arbeitsmarkt für uns (Slowaken) nicht vollständig geöffnet war. Legal arbeiten konnte man nur unter strengen Auflagen. Hier hatte ich aber Glück, ich fand Zuflucht in einem Café, das von einem älteren Ehepaar aus Serbien betrieben wurde. Ich hatte Vorurteile und Angst, weil ich viel über diese Minderheit gehört hatte. Letztendlich blieb ich dort drei Jahre, bis ich mein Studium abgeschlossen hatte.

Über meine weiteren österreichischen Abenteuer werde ich Ihnen beim nächsten Mal berichten.

Ihre Evita

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