Zwölf herbstliche Juwelen in Niederösterreich, dem Burgenland und dem Wienerwald

Der Herbst rund um Wien, in Niederösterreich und im Burgenland zählt zu den eindrucksvollsten Jahreszeiten, die man in Mitteleuropa erleben kann. Wenn die morgendlichen Nebelschwaden über die Weinberge, Flussläufe und stillen Täler ziehen, hüllt sich die Landschaft in warme Kupfer-, Gold- und Ockertöne. Dieser Guide führt Sie zu 12 besonderen Orten, an denen der Herbst seine schönste Seite zeigt, und erklärt, warum es sich lohnt, für Ruhe, Geschichte und gutes Essen auf Entdeckungsreise zu gehen.

1. Muthmannsdorf und die Teufelsmühle-Schlucht

Am Fuße des Hohe Wand-Massivs, in der malerischen Region Neue Welt, liegt das kleine Dorf Muthmannsdorf. Direkt hinter den Häusern beginnt die wilde und geheimnisvolle Teufelsmühle-Schlucht, eine der faszinierendsten Natursehenswürdigkeiten der Region. Im Herbst verwandeln die mächtigen Buchenwälder die Gegend in ein undurchdringliches Farbenspiel aus leuchtendem Gelb und tiefem Purpur. Beim Wandern auf den schmalen Pfaden raschelt das Laub unter den Füßen, während moosbedeckte Kalksteinblöcke den Weg säumen. Die Abgeschiedenheit und Ruhe machen diesen Ort ideal für lange Spaziergänge, bei denen man dem Alltag entfliehen kann.

Die Schlucht birgt alte Legenden, und die steilen Felswände, die den Bach umschließen, lassen einen an magische Kräfte glauben. Neben der wilden Natur gibt es hier interessante Karstformationen und ein lebendiges Waldökosystem. Nach der Wanderung lohnt sich ein Besuch im historischen Gasthaus Puchegger-Wirt im nahegelegenen Winzendorf. Dieser Familienbetrieb ist bekannt für seine hausgemachten Wurstspezialitäten und herbstlichen Wildgerichte. Besonders im Herbst servieren sie duftende Entenbraten mit Rotkraut, hausgemachte Knödel und frische Kuchen, die den Tag perfekt abrunden.

Die Anreise ist unkompliziert. Mit dem Auto von Wien aus fährt man über die Südautobahn Richtung Graz, nimmt die Ausfahrt Wöllersdorf und erreicht Muthmannsdorf über Dreistetten in weniger als 50 Minuten. Wer öffentliche Verkehrsmittel bevorzugt, nimmt den Zug vom Wiener Hauptbahnhof nach Wiener Neustadt und steigt dort in die Regionalbahn nach Puchberg am Schneeberg um. In Winzendorf ausgestiegen, ist es nur noch ein angenehmer, halbstündiger Spaziergang bis zum Eingang der Schlucht.

2. Leithagebirge und der historische Kaisersteinbruch

Das bewaldete Leithagebirge bildet seit Jahrhunderten eine natürliche Grenze zwischen Niederösterreich und dem Burgenland. Im Herbst verwandeln sich die Kastanienalleen und Eichenwälder in goldene Tunnel, durch die das tiefe Sonnenlicht lange Schatten wirft. In dieser ruhigen Gegend liegt die historische Siedlung Kaisersteinbruch, bekannt für den Abbau des harten Kaisersteins, aus dem viele Wiener Paläste und der Stephansdom erbaut wurden. Die reiche Steinmetzgeschichte wird in alten Steinbrüchen und einem interessanten Museum lebendig.

Beim Wandern auf dem Kamm genießt man die Ruhe und den weiten Blick über die pannonische Tiefebene bis zum Neusiedler See. Nach einem solchen Ausflug empfiehlt sich ein Besuch im Heurigenrestaurant Sandhofer in Purbach. Hier verbindet man moderne Küche mit der Tradition burgenländischer Gansl-Essen, gebratenen Kastanien und frischem Fisch. Dazu werden mineralische Weißweine oder würzige Blaufränkisch aus der Region serviert.

Mit dem Auto von Wien aus erreicht man die Gegend in etwa 45 Minuten über die Autobahn Richtung Budapest, vorbei an Eisenstadt und Purbach. Mit dem Zug fährt man von Wien Mitte nach Bruck an der Leitha und weiter nach Winden am See. Von dort führen markierte Wanderwege ins Herz des Leithagebirges.

3. Das malerische Pielachtal

Das Pielachtal westlich von St. Pölten ist bekannt als das „Dirndltal“, eine Region voller Dirndlsträucher und Wildobstbäume. Im Oktober färben sich die Obstgärten in leuchtende Gelb- und Orangetöne, und die Gemeinden feiern die Ernte dieses besonderen Obstes. Die flachen Wege entlang der Pielach sind ideal für Spaziergänge und Radtouren. Die Dirndlfrüchte werden zu Marmeladen, Sirupen und Schnäpsen verarbeitet.

Die Region strahlt Ruhe aus und bietet einen authentischen Einblick in das ländliche Leben Niederösterreichs. Nach einem Spaziergang lohnt sich ein Besuch im Gasthof Kalteis in Kirchberg an der Pielach, bekannt für kreative Gerichte mit lokalen Zutaten wie Hirschmedaillons mit Dirndlsauce und hausgemachte Knödel.

Mit dem Auto von Wien aus fährt man über die Autobahn Richtung Linz und erreicht Kirchberg in etwa einer Stunde und 15 Minuten. Mit der Bahn fährt man von Wien nach St. Pölten und steigt dort in die historische Mariazellerbahn um, die durch die herbstlichen Wälder direkt ins Pielachtal führt.

4. Hainburger Berge und Hundsheimer Berge

Wo die Donau sich durch die Felsen der Kleinen Karpaten schlängelt, entsteht ein einzigartiges Ökosystem aus steppenartigen Hügeln. Die Hainburger und Hundsheimer Berge bieten im Herbst eine beeindruckende Mischung aus Kalksteppen, wärmeliebenden Wäldern und dramatischen Ausblicken auf die Donau. Das historische Hainburg an der Donau mit seinen mittelalterlichen Mauern und der Burgruine Röthelstein bietet kulturellen Reiz. Das pannonische Klima begünstigt hier viele geschützte Pflanzen und Tiere.

Von den alten Mauern oder den Hügeln aus hat man einen weiten Blick bis in die Slowakei. Nach der Wanderung lohnt sich ein Besuch im Restaurant Ungartor in Hainburg, das sich auf frische Donaufische und traditionelle Wiener Schnitzel spezialisiert hat.

Die Anreise ist einfach: Von Bratislava aus ist man in 20 Minuten über den Grenzübergang Kittsee dort, von Wien aus über die Autobahn Richtung Budapest in etwa 45 Minuten. Mit der S-Bahn S7 erreicht man Hainburg bequem mit öffentlichen Verkehrsmitteln.

5. Eisenberg an der Pinka

Im südlichsten Burgenland, nahe der ungarischen Grenze, liegt der ruhige Weinbauort Eisenberg. Die sanften Hügel sind mit alten Weinkellern, den sogenannten Kellerstöckln, übersät. Im Herbst leuchten die Weinberge in allen Farben, und der Duft von gerösteten Kastanien liegt in der Luft. Die vulkanischen Böden verleihen den lokalen Rotweinen, insbesondere dem Blaufränkisch, eine unverwechselbare Mineralität und Würze.

Für eine kulinarische Pause empfiehlt sich das Wirtshaus Ratschen in Deutsch Schützen, das traditionelle burgenländische Küche mit modernen Einflüssen bietet. Auf der Speisekarte stehen Gansl, hausgemachte Pasta und Wildgerichte, begleitet von einer großen Auswahl an lokalen Rotweinen.

Mit dem Auto von Wien aus erreicht man Eisenberg in anderthalb Stunden über die Südautobahn. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln fährt man mit dem Zug nach Oberwart und weiter mit dem Regionalbus.

6. Das Kamptal und der Stausee Dobra

Das tief eingeschnittene, wilde Kamptal im Waldviertel ist umgeben von dichten Mischwäldern, die im Herbst in bunten Farben leuchten. Der Stausee Dobra wirkt besonders magisch, wenn morgendliche Nebel über dem Wasser aufsteigen. Die Region ist reich an Geschichte, mit versteckten Burgruinen wie der Burgruine Dobra. Die unberührte Natur und die frische Luft ziehen Wanderer an.

Nach einer Wanderung lohnt sich ein Besuch im Gasthaus Liebnitzmühle, das regionale Küche in einem historischen Mühlengebäude bietet. Spezialitäten sind frische Forellen, Wildragouts und traditionelle Mohnnudeln.

Mit dem Auto von Wien aus fährt man über die Stockerauer Schnellstraße nach Horn und erreicht den Stausee Dobra in etwa einer Stunde und 20 Minuten. Mit der Bahn fährt man nach Sigmundsherberg und weiter mit dem Regionalbus.

7. Region Semmering und die Klamm

Der Semmering-Pass und die nahegelegene Klamm sind bekannt für ihre frische Alpenluft und die berühmte Semmeringbahn, ein UNESCO-Welterbe. Die massiven Viadukte und die herbstlich gefärbten Buchenwälder bieten eine beeindruckende Kulisse. Die Wanderwege führen entlang historischer Tunnel und Aussichtspunkte mit Panoramablick auf die Berggipfel.

Für eine Stärkung sorgt der Gasthof Liebminger in Schottwien mit herzhaften Gerichten wie Speckknödeln und Schweinsbraten.

Mit dem Auto erreicht man die Region über die Südautobahn und die Semmering-Schnellstraße in etwa einer Stunde. Mit der Bahn fährt man von Wien direkt zur historischen Station Payerbach-Reichenau.

8. Rosaliengebirge und Burg Forchtenstein

Das Rosaliengebirge bildet eine natürliche Grenze zwischen Niederösterreich und dem Burgenland und ist ideal für entspannte Wanderungen. Auf einem markanten Felsen thront die imposante Burg Forchtenstein, einst eine mittelalterliche Festung und später ein prächtiger Sitz der Esterházy. Die umliegenden Wälder verwandeln sich im Herbst in ein farbenfrohes Mosaik.

Nach der Besichtigung der Burg bietet das nahegelegene Mein Burgblick in Forchtenstein moderne Apartments und regionale Küche mit saisonalen Spezialitäten und köstlichen Strudeln.

Mit dem Auto von Wien aus erreicht man die Region in etwa 50 Minuten über die A2. Mit der Bahn fährt man nach Mattersburg und weiter mit dem Bus zur Burg.

9. Göstling an der Ybbs und die Mendlingtal-Schlucht

Im wilden Mostviertel liegt die beeindruckende Mendlingtal-Schlucht, die letzte funktionierende Holztriftanlage Mitteleuropas. Die Wege führen über Holzstege entlang des Mendlingbachs, vorbei an alten Mühlen und Schmieden.

Nach der Erkundung der Schlucht laden Gasthäuser in Lassing und Göstling zu frischen Forellen und deftigen Suppen ein.

Mit dem Auto von Wien aus fährt man über Amstetten und Waidhofen an der Ybbs in etwa zwei Stunden. Mit der Bahn fährt man nach Amstetten und weiter mit dem Bus zur Schlucht.

10. Auenwälder bei Marchegg

An der Grenze zur Slowakei liegt das Naturschutzgebiet March-Auen bei Marchegg. Im Herbst hüllen Nebel die Auenwälder in eine mystische Atmosphäre. Bekannt ist die Region für ihre Storchenkolonie und die gut gepflegten Wanderwege.

Nach einem Spaziergang lohnt sich ein Besuch im Schloss Restaurant Marchegg, das frische Wildgerichte und Fischspezialitäten bietet.

Mit dem Auto von Bratislava aus ist man in wenigen Minuten dort, von Wien aus über Gänserndorf in etwa 40 Minuten. Mit der S-Bahn S100 erreicht man Marchegg bequem.

11. Helenental bei Baden bei Wien

Das romantische Helenental bei Baden bei Wien ist bekannt für seine malerischen Spaziergänge entlang der Schwechat, umgeben von den Wäldern des Wienerwaldes und den Ruinen der Burgen Rauhenstein und Rauheneck.

Am Ende des Tals lädt der Gasthof Cholerakapelle zu Kaiserschmarrn und Kaffee ein.

Mit dem Auto von Wien aus erreicht man das Helenental in etwa 30 Minuten über die A2. Mit der Badner Bahn fährt man von Wien direkt nach Baden.

12. Raabs an der Thaya

Im nördlichsten Teil Österreichs, rund um das historische Städtchen Raabs an der Thaya, trifft man auf eine beeindruckende Mischung aus Natur und Geschichte. Die Thaya schlängelt sich durch tief eingeschnittene Täler, über denen die Burg Raabs thront.

Im Zentrum oder in der Umgebung finden sich ausgezeichnete Restaurants wie das Stadthotel und Restaurant Thaya, die regionale Küche mit frischem Fisch und Wildgerichten bieten.

Mit dem Auto von Wien aus fährt man über Horn in etwa zwei Stunden. Mit der Bahn fährt man nach Schwarzenau und weiter mit dem Bus nach Raabs.

Warum den Herbst in der Region genießen?

Diese 12 herbstlichen Ziele zeigen, dass die Regionen rund um Wien, Niederösterreich und das Burgenland eine unglaubliche Vielfalt bieten, die in den kühleren Monaten eine ganz besondere Tiefe erreicht. Wenn die Nebel dem schwächer werdenden Sonnenlicht weichen und die Landschaft in goldene und kupferne Töne getaucht wird, verwandelt sich die Region in eine lebendige Galerie aus Farben, Düften und Ruhe.

Dank des dichten Netzes aus Autobahnen, Regionalstraßen und der hervorragenden öffentlichen Verkehrsmittel sind diese Ausflüge leicht erreichbar. In weniger als ein bis zwei Stunden kann man sich in einer völlig anderen Welt wiederfinden, in der die Zeit langsamer zu vergehen scheint. Packen Sie bequeme Schuhe, eine warme Jacke und machen Sie sich früh auf den Weg, um die kurvenreichen Pfade dieser mitteleuropäischen Region zu erkunden. Der Herbst erwartet Sie in seiner ganzen Pracht und verspricht Erlebnisse, die lange nach der Rückkehr nachklingen.

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Quellen:

https://www.niederoesterreich.at

https://www.burgenland.info

Bildnachweis: By Nxr-at – Own work, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=61525727

Autorin: Eva Vengrická

E-Mail: eva.vengricka@viedencan.at