Draschepark: Wie ein barockes Anwesen unter Asphalt endete

Wenn Sie heute durch das dreizehn Hektar große grüne Areal im südlichen Teil Wiens spazieren, wird Sie auf den ersten Blick vor allem die entspannte Ruhe, der Schatten alter Kastanien und der Fluss Liesing faszinieren. Nur wenige der heutigen Besucher ahnen jedoch, dass dieser öffentliche Raum, heute bekannt als Draschepark im 23. Wiener Gemeindebezirk Liesing (genauer gesagt im Stadtteil Inzersdorf), eine äußerst bewegte Geschichte in sich trägt. Es ist die Geschichte einer majestätischen aristokratischen Architektur, barocker Gartenkunst, aber auch von zynischem Nachkriegsurbanismus, der nicht zögerte, ein Stück Geschichte der modernen Entwicklung des Straßenverkehrs zu opfern.
Wie bei vielen anderen historischen Denkmälern in der österreichischen Metropole ist es auch im Fall des Drascheparks notwendig, geografische Realitäten sorgfältig zu unterscheiden. Es handelt sich nämlich nicht um den gleichnamigen Alois-Drasche-Park, den Sie im 4. Wiener Gemeindebezirk Wieden finden. Der Inzersdorfer Draschepark ist eine eigenständige Geschichte der Transformation eines Adelsguts in eine öffentliche Erholungszone für die Bewohner der städtischen Peripherie.
Vom aristokratischen Überfluss zum Františkov-Kataster
Der ursprüngliche Name des Parks und des gesamten Anwesens war nicht zufällig. Die Bezeichnung verweist auf das bedeutende Geschlecht Drasche von Wartinberg, das 1857 das Eigentum des gesamten Areals erwarb. Die Familie Drasche kam jedoch nicht auf eine leere Wiese – sie erbte einen umfangreichen Komplex aus zwei Schlössern und einem sorgfältig gepflegten Park, dessen Tradition bereits im 17. Jahrhundert begann.
Das Herzstück des gesamten Anwesens war das sogenannte Wasserschloss (Wasserschloss Inzersdorf), das im Laufe des 17. Jahrhunderts entstand und ein typisches Beispiel für historische Wassersitze dieser Zeit darstellte. Im Jahr 1765 wurde der Komplex um das sogenannte Neue Schloss erweitert, das südwestlich des ursprünglichen Gebäudes lag. Rund um beide Residenzen entstand nach und nach eine äußerst wertvolle Parkkette, die die ästhetische Entwicklung der Gartenarchitektur in Mitteleuropa widerspiegelte.
Dokumente aus dem Jahr 1818, die im bekannten Františkov-Kataster erhalten sind, zeigen die bemerkenswerte Vielfalt dieses Gebiets. Die unmittelbare Umgebung beider Schlösser bestand aus einem spätbarocken Ziergarten voller geometrischer Formen und ornamentaler Elemente. An diesen schlossen sich praktisch genutzte landwirtschaftliche Flächen an – Obstgärten, Wiesenquadrate und Nutzgemüsegärten. Das weitere Umfeld bildete ein weitläufiger Waldpark, der konzeptionell durch regelmäßige gerade Schneisen und Alleen durchzogen war. Es handelte sich um eine perfekte Kombination aus repräsentativer Architektur, ästhetischer Landschaftsgestaltung und nützlicher Landwirtschaft.
Zerstörung aus der Luft und das endgültige Ende im Namen des Verkehrs
Ein Wendepunkt in der Geschichte des Drascheparks kam im 20. Jahrhundert und hatte zwei Phasen. Die erste waren die tragischen Ereignisse des Zweiten Weltkriegs. Der Wiener Stadtteil Inzersdorf wurde Ziel von alliierten Luftangriffen auf Wien. Die Bombardierungen machten auch vor dem Gartenkomplex nicht halt, und beide Schlösser erlitten direkte Treffer, die sie erheblich beschädigten. Nach dem Ende des Krieges verfielen die Gebäude und warteten auf ihr endgültiges Urteil.
Dieses Urteil fiel in den sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts, jedoch nicht in Form von Kriegszerstörung, sondern im Geiste des damaligen Trends zur kompromisslosen Motorisierung. Die Wiener Stadtverwaltung plante zu dieser Zeit den Bau eines Schlüsselverkehrsleitungsystems – des südostlichen Autobahnringes (Wiener Südosttangente).
Im Jahr 1965 fiel die endgültige Entscheidung: Die beschädigten historischen Schlösser Inzersdorf wurden vollständig abgerissen und dem Erdboden gleichgemacht. Der ursprüngliche barocke Park verschwand nicht ganz, doch ein erheblicher Teil wurde gnadenlos mit einem massiven Autobahnknoten, bekannt als „Knoten Inzersdorf“, bebaut. Dort, wo einst der Adel auf barocken Wegen wandelte und den Wassergraben bewunderte, strömen heute täglich Zehntausende von Autos.
Das heutige Gesicht: Nur Alleen blieben, die Natur und die Gemeinschaft traten ein
Wenn Sie heute den Draschepark besuchen, finden Sie von der ursprünglichen barocken Erhabenheit nur noch geringe Fragmente. Das geschulte Auge kann jedoch die Spuren der Vergangenheit ganz genau identifizieren. Das Grundgerüst des Parks bilden bis heute alte Kastanienalleen und erhaltene Hecken aus Feldahorn, die einst die Hauptspazierwege in Inzersdorf abgrenzten. Die verbleibenden Freiflächen, die nicht unter die Autobahn betoniert wurden, durchliefen im Laufe der Jahrzehnte eine natürliche Sukzession und verwuchsen mit wildem Gestrüpp.
Auch der hydrologische Charakter des Gebiets hat sich verändert. Zwei natürliche Bäche, die durch das Gebiet fließen – der Altmannsdorfer Graben und der Fluss Liesing selbst – haben ihren ursprünglichen wilden Charakter verloren und erhielten in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts künstliche, regulierte Betonkonstruktionen, was ein typisches Phänomen des damaligen ingenieurtechnischen Ansatzes zu Wasserläufen in der Stadt war.
Der Draschepark hat sich jedoch an die neue Epoche angepasst. Obwohl er seine baulichen Dominanten verloren hat, hat er seine Bedeutung für die lokale Gemeinschaft nicht eingebüßt. Die Wiener Stadtverwaltung hat das Gebiet in eine moderne Freizeitanlage umgewandelt. Für die Bewohner Inzersdorfs und der weiteren Umgebung stehen ausgewiesene Grillzonen, Spielplätze und eine spezielle BMX-Bahn für junge Radfahrer zur Verfügung.
Der Draschepark ist heute ein lebendiges Beispiel dafür, wie das historische Gedächtnis eines Ortes in einen neuen, voll funktionsfähigen urbanen Raum umgewandelt werden kann. Auch wenn die Spuren der barocken Schlösser unter dem Beton der Südosttangente verschwunden sind, bleibt die grüne Oase am Fluss Liesing eine wichtige Lunge im Süden Wiens.
🚀 Všetky rozhovory na jednom mieste!
Máte tip pre Viedenčana? Pošlite nám ho!
Naším cieľom je prinášať vám relevantné a užitočné informácie zo života v Rakúsku. Zameriavame sa predovšetkým na Slovákov vo Viedni a celkovo na Slovákov v Rakúsku, ktorí si zvolili túto krajinu za svoj domov. Ak máte námet na článok, dôležitú informáciu, príbeh z praxe, alebo sa chcete podeliť o svoje skúsenosti s prácou či životom v Rakúsku, neváhajte sa s nami spojiť! Vaše tipy sú pre nás cenné a pomáhajú nám tvoriť obsah, ktorý skutočne zaujíma a pomáha našim čitateľom.
Napíšte nám na redakcia@viedencan.at alebo použite WhatsApp na čísle +43 660 6098140. Tešíme sa na vaše správy!
Páčil sa Vám článok?
Tvorba a aktualizácia obsahu na Viedenčanovi si vyžaduje veľa hodín rešeršovania a písania. Podporte našu prácu pri tvorbe obsahu pre Slovákov v Rakúsku kúpou predplatného. Každá podpora nás motivuje pokračovať ďalej. Ďakujeme! ❤️ S pozdravom Boris, Eva a Janka – Viedencan.at
Tri flexibilné cesty k podpore
Pre našich verných čitateľov sme pripravili Viedenčan+ – prémiovú službu pre čítanie bez kompromisov.
Rok bez reklám (9,99 €):
Nerušené čítanie: Obsah bez komerčných plôch a sponzorovaných odkazov. Sústreďte sa len na to podstatné.
Mesačné predplatné (3,99 €):
Štandardná mesačná platba ponúka plný prístup ku všetkým výhodám. Tento balík neobsahuje žiadnu viazanosť a predplatiteľ ho môže kedykoľvek jednoducho zrušiť v nastaveniach svojho účtu.
Ročné predplatné (29,90 €):
Kupón SEPTEMBER2026: Zľava až 30 % na ročné predplatné!
✅ Čítanie bez reklám: Už žiadne bannery ani vyskakovacie okná. Sústreďte sa len na obsah.
🔒 Neobmedzený prístup: Odomknite všetky uzamknuté prémiové a archívne články.
📰 Exkluzívny obsah: Čítajte vybraný nový obsah skôr, ako bude prístupný pre verejnosť.
❤️ Priama podpora: Pomôžte nám budovať silnú a nezávislú redakciu.
Viac o predplatnom nájdete tu: https://viedencan.at/plus/, alebo tu: Viedenčan+: Nová možnosť, ako nás podporiť
Verwendete Quellen:
https://de.wikipedia.org/wiki/Draschepark
Illustrationsfoto: Boris Zima
Autor: Boris Zima
Mail: boris.zima@viedencan.at












