Breitensee: Der Vorplatz am Bahnhof Penzing wurde in eine grüne Oase verwandelt

Die Wiener Stadtverwaltung erklärt seit langem, dass die Anpassung an den Klimawandel nicht nur eine Floskel in politischen Broschüren ist, sondern ein akuter Bedarf, der eine radikale Veränderung in der Planung öffentlicher Räume erfordert. Der neueste Beweis für diesen Ansatz ist die abgeschlossene Transformation des trostlosen Vorplatzes am S-Bahn-Halt Breitensee im 14. Bezirk Penzing.

Der Ort, der bis vor kurzem hauptsächlich als Transitpunkt mit einer Überzahl an versiegelten Flächen diente, hat eine tiefgreifende Transformation durchlaufen. Das Stadtgartenamt (Wiener Stadtgärten) hat in Zusammenarbeit mit der Bezirksverwaltung und dem Verkehrsunternehmen erfolgreich eine Fläche von mehr als 2.500 Quadratmetern in den angrenzenden Ludwig-Zatzka-Park integriert. Das Ergebnis ist ein moderner, klimafreundlicher Raum, der nicht nur den Reisenden dient, sondern zu einem neuen Gemeinschaftszentrum für das gesamte Viertel wird.

Technokratisches Denken wich dem Grün: Wie Masten wegen der Bäume versetzt wurden

Eines der größten Probleme bei der Rekonstruktion städtischer Knotenpunkte ist die unterirdische und oberirdische Infrastruktur. Netze, Kabel und Oberleitungen dienen den Planern oft als universelle Ausrede, warum an einem bestimmten Ort kein ausgewachsenes Grün gepflanzt werden kann. Im Fall der Station Breitensee entschieden sich die Wiener Behörden jedoch für einen gegenteiligen Ansatz und zeigten eine Flexibilität, die in slowakischen Kommunen oft fehlt.

Bereits vor dem eigentlichen Beginn der Hauptbauarbeiten einigte sich das Stadtgartenamt mit dem Verkehrsunternehmen Wiener Linien auf eine technisch anspruchsvolle Operation. Massive Strom- und Oberleitungsmasten, die zuvor das Zentrum des Platzes dominierten und jede Entwicklung von Grün blockierten, wurden demontiert und an den Rand des Grundstücks versetzt. Dank dieses Schrittes wurde sowohl der unterirdische als auch der oberirdische Raum für Wurzelsysteme und Baumkronen freigegeben.

Auf der Fläche konnten insgesamt 33 neue, ausgewachsene Bäume gepflanzt werden. Diese werden in den kommenden heißen Sommermonaten als natürliche Klimaanlage fungieren. Die Architekten kombinierten zudem die Baumplantagen mit einer massiven Umgestaltung der Oberflächen. Der klassische dunkle Asphalt, der während der Hitze Wärme speichert und die Straßen in strahlende Öfen verwandelt, wurde durch moderne helle Beläge und Pflastersteine ersetzt. Dieses Material reflektiert deutlich mehr Sonnenstrahlung und minimiert so den gefährlichen Effekt städtischer Wärmeinseln.

Mehr als nur Ästhetik: Rasenflächen für Insekten und Wasser zum Spielen

Das neue Konzept des Ludwig-Zatzka-Parks stützt sich nicht nur auf eine visuelle Transformation, sondern legt auch Wert auf die ökologischen Funktionen der Stadtlandschaft. Die Planer unterteilten den Raum in mehrere funktionale Einheiten und legten Wert auf Biodiversität:

  • Multifunktionale Rasenfläche: Deckt eine Fläche von 1.335 m2 ab und ist so gestaltet, dass sie intensiver menschlicher Belastung, Picknicks oder Freizeitaktivitäten standhält.
  • Wiesenflächen: Auf einer Fläche von 319 m2 entstanden wildere Wiesenbereiche, die weniger gemäht werden müssen und Feuchtigkeit speichern.
  • Staudenbeete: Auf einer Fläche von 151 m2 wurden Kombinationen aus Stauden und Ziergräsern mittlerer Höhe gepflanzt, die als Zufluchtsort und Nahrungsquelle für Bestäuber und städtische Insekten dienen.

Der klimatische Komfort im Raum wird auch durch neue Wasserelemente erheblich erhöht. Im Zentrum der Erfrischung steht ein modernes flaches Wasserbecken, das durch einen Trinkbrunnen und eine Reihe interaktiver Wasserfontänen ergänzt wird. In den Sommermonaten bietet der Raum somit nicht nur eine kostenlose Trinkwasserquelle für Passanten, sondern auch eine mikroklimatische Abkühlung der Luft in der unmittelbaren Umgebung. Die Düsen sind zudem so gestaltet, dass Kinder sie sicher zum Spielen nutzen können.

Ein Outdoor-Fitnessclub für alle Generationen

Auch die soziale Funktion dieses Gebiets hat sich verändert. Vorplätze in europäischen Metropolen leiden oft unter Identitätsverlust – die Menschen gehen nur schnell hindurch, im schlimmsten Fall werden sie zu Zonen sozialer Ausgrenzung. Penzing hat sich entschieden, gegen diesen Trend zu kämpfen, indem es aktive Freizeitmöglichkeiten für Bewohner aller Altersgruppen anbietet.

Im erweiterten Teil des Parks entstand eine moderne Workout- und Fitnesszone im Freien. Sportler finden hier zwei calisthenische Geräte, die auf das Training mit dem eigenen Körpergewicht ausgerichtet sind, einschließlich massiver Klimmzuganlagen. Für ältere Generationen oder weniger fitte Bürger stehen drei stabile Fitnessgeräte zur Verfügung, darunter ein Rudergerät und ein Stepper.

Für diejenigen, die eher Ruhe und Entspannung suchen, wurde massives urbanes Mobiliar hinzugefügt. Dominierend sind vier großformatige Holzpodeste zum Sitzen und Liegen sowie zwei kreisförmige Sitzinseln, die die Stämme der neu gepflanzten Bäume umgeben. Die Architekten haben auch an das Sicherheitsgefühl nach Einbruch der Dunkelheit gedacht. Entlang aller Hauptfußwege wurde neue, energieeffiziente LED-Beleuchtung mit optimierter Lichtlenkung installiert, die Lichtsmog vermeidet und gleichzeitig dunkle, gefährliche Ecken eliminiert.

Wenn über das Aussehen des Parks nicht am Tisch, sondern auf der Straße entschieden wird

Die Bezirksverwaltung Penzing setzte bei diesem Projekt auf eine bewährte Karte: partizipative Planung. Die endgültige Form des gesamten Gebiets entstand nicht hinter verschlossenen Türen von Architekturbüros, sondern spiegelt die realen Bedürfnisse der Menschen wider, die täglich durch das Viertel gehen.

Die erste Phase der öffentlichen Konsultationen begann bereits im Herbst 2023. Das Magistrat organisierte damals direkt vor Ort eine Umfrage, um herauszufinden, was den Anwohnern in der Umgebung der Station am meisten fehlt und wie sie sich den neuen Raum vorstellen. Die gesammelten Daten und Anmerkungen wurden anschließend von den Architekten in die erste Studie eingearbeitet. Im Juni 2024 kehrten die Planer an den Tatort zurück und präsentierten den ausgearbeiteten Plan erneut der Öffentlichkeit bei einer zweiten Diskussionsveranstaltung.

Dank dieses intensiven Dialogs gelang es, mehrere wesentliche Änderungen durchzusetzen. Die Anwohner setzten sich beispielsweise für die Schaffung einer direkten, logischen und barrierefreien Fußverbindung zwischen der Straßenbahnhaltestelle und dem Eingang zur S-Bahn-Station ein, wodurch die Notwendigkeit des Umwegs beseitigt wurde. Auch auf den Druck der Öffentlichkeit reagierten die Designer mit einer Erhöhung der Anzahl von Bänken und einer dichteren Baumaufforstung an den Stellen, an denen die Menschen im Sommer am häufigsten auf Verbindungen warten.

Politiker sind sich einig: Investitionen in das Klima erhöhen die Lebensqualität

„Das Stadtgartenamt hat in den letzten Monaten aus dem Vorplatz am Bahnhof Breitensee ein echtes lokales Juwel gemacht“, erklärte der Wiener Klimastadtrat Jürgen Czernohorszky anlässlich der Fertigstellung der Arbeiten. Er betonte, dass die neue Infrastruktur nicht nur den Fahrgästen des öffentlichen Verkehrs dient, sondern jedem, der einen Raum zur Erholung in einem dicht bebauten städtischen Umfeld sucht. „Hier sieht man genau, wie wichtig die systematische Arbeit der Stadtgärtner ist. Solche grünen Flächen heben visuell und funktional ganze Viertel an, haben nachweislich positive Auswirkungen auf das lokale Klima und erhöhen somit unmittelbar die Lebensqualität der Stadtbewohner.“

Seinen Worten stimmt auch die Bezirksvorsteherin von Penzing, Michaela Schüchner, zu, die auf die hohe Frequenz der Menschenbewegung in der betreffenden Gegend hinwies. „Die Umgebung der Station Breitensee ist ein äußerst lebendiger Ort, durch den täglich Tausende von Menschen gehen. Dank der Rekonstruktion ist dieser Knotenpunkt jetzt attraktiver für alle Generationen. Sei es für ein schnelles Treffen, eine kurze Pause im Alltag, das Training an Fitnessgeräten oder eine Erfrischung am Trinkbrunnen.“ Schüchner hob zudem hervor, dass der größte Wert des Projekts darin besteht, dass es direkt die Wünsche der dortigen Nachbarschaftsgemeinschaften widerspiegelt.

Eröffnung bereits Anfang Juni

Der gesamte Prozess der Revitalisierung wird offiziell Anfang Juni besiegelt. Die Stadtverwaltung hat sich entschieden, nicht nur eine schlichte Eröffnungszeremonie für Journalisten zu organisieren, sondern die Transformation direkt mit denjenigen zu feiern, für die der Raum bestimmt ist – mit den Bewohnern von Penzing.

Die feierliche Eröffnung des erweiterten Ludwig-Zatzka-Parks ist für Montag, den 1. Juni 2026, geplant. Das Gemeinschaftsfest findet von 15:00 bis 18:00 Uhr direkt am neuen Vorplatz am Bahnhof Breitensee statt. Die Organisatoren versprechen ein reichhaltiges, kulturelles und unterhaltsames Programm, das sich an Familien mit Kindern, junge Sportler und Senioren aus der Umgebung richtet. Der Eintritt zur Veranstaltung ist für alle Besucher kostenlos. Wien wird somit endgültig ein Projekt übergeben, das als inspirierendes Handbuch für Städte in ganz Mitteleuropa dienen kann, wie unfreundliche Verkehrsachsen in lebendige, grüne und klimafreundliche Lebensräume umgewandelt werden können.

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Verwendete Quellen:

Stadt Wien

Foto: Copyright Stadt Wien / Martin Votava