Billa Plus eröffnet die erste Beauty-Zone in Österreich

Der österreichische Einzelhandelsmarkt, der durch eine der höchsten Supermarktdichten in Europa und einen harten Wettbewerb gekennzeichnet ist, erlebt eine neue strategische Offensive. Die Kette Billa, die zur deutschen REWE-Gruppe gehört, startet nun direkt in ihren Filialen einen frontal Angriff auf spezialisierte Drogerien. Das Pilotprojekt ist der modernisierte Supermarkt Billa Plus in Amstetten, wo auf einer Fläche von fast 2.300 Quadratmetern die erste „Beauty-Zone“ des Landes entstanden ist. Dieser Schritt ist nicht nur eine lokale Innovation; er signalisiert einen grundlegenden Wandel im Bestreben, Kunden zu halten und zu gewinnen, die alles unter einem Dach kaufen möchten – von frischem Fleisch bis hin zu luxuriösem Parfüm.

Das Ende der getrennten Einkaufskörbe?

Nach etwa einem Monat Umbau präsentiert sich der Supermarkt in der Otto-Schott-Straße in Amstetten in neuem Licht. Die auffälligste Veränderung ist die Integration einer umfangreichen Drogerieabteilung, die einen bedeutenden Teil der Verkaufsfläche einnimmt und fast 9.000 Produkte anbietet. Das Sortiment umfasst nicht nur gängige Körperpflegeprodukte, sondern auch dekorative Kosmetik und Düfte, wodurch direkt mit etablierten Akteuren wie DM oder Bipa konkurriert wird.

„Der Einkauf von Lebensmitteln und Drogeriewaren geht ab sofort Hand in Hand,“ erklärte Hamed Mohseni, Geschäftsführer von Billa. Seine Worte enthüllen eine Strategie, die auf Effizienz und Komfort für den Kunden abzielt. In einem Umfeld, in dem jeder dritte Euro in Aktionen ausgegeben wird und die Kundenloyalität fragil ist, wird der Versuch, Zeit zu sparen, zum entscheidenden Schlachtfeld. Mit diesem Modell versucht Billa, „die Kunden zu bedienen, die in der unmittelbaren Umgebung keine Premium-Auswahl an Drogerieprodukten haben,“ fügt Mohseni hinzu.

Dieses hybride Modell aus Supermarkt und Drogerie ist kein Zufall. Es ist eine Antwort auf den gesättigten österreichischen Markt, wo eine weitere Expansion der Anzahl der Filialen begrenzt ist. Unternehmen sind daher gezwungen, zu innovieren und die Verkaufsfläche bestehender Betriebe zu vergrößern, wobei die Grenzen zwischen traditionellen Formaten verschwommen werden. Filialen mit einer Fläche von etwa 2.500 m², wie die in Amstetten, erweisen sich als wirtschaftlich am erfolgreichsten.

Lokale Offensive mit Fokus auf Trends und Ethik

Während die „Beauty-Zone“ im frischen rosafarbenen Design Produkte wie L’Oréal oder Bruno Banani anpreist, hat die Modernisierung auch das Kernangebot des Supermarktes betroffen. Neben der Erweiterung des Sortiments an Backwaren, Getränken und Milchprodukten hat Billa in Amstetten das Angebot erheblich verstärkt, das aktuelle gesellschaftliche Trends widerspiegelt.

Einer der Hauptpfeiler ist das Konzept „Billa Pflanzilla-Welt“. Es handelt sich nicht nur um einige Regale mit vegetarischen Produkten. Diese „Welt der Pflanzen“, wenn auch in kleinerem Maßstab als das flagship vegane Geschäft in Wien, bietet 132 spezialisierte Artikel. Es ist eine gezielte Antwort auf die wachsende Nachfrage nach pflanzlicher Ernährung, die nicht nur Veganer, sondern auch Flexitarier und Kunden anspricht, die nach gesünderen und umweltfreundlicheren Alternativen suchen.

Ein weiteres, nicht weniger wichtiges Signal ist der Fokus auf den ethischen Aspekt der Produktion. Alles frische Fleisch im Angebot stammt ausschließlich aus Österreich und trägt das Label „Fair zum Tier!“. Dieses Zeichen garantiert Zuchtstandards, die über das gesetzliche Minimum hinausgehen – die Tiere haben mehr Platz, Zugang zu Ausläufen und Futter ohne genetisch veränderte Organismen. Für Billa ist dies ein entscheidendes Instrument, um sich abzuheben und Verbraucher anzusprechen, für die Herkunft und Lebensqualität der Tiere beim Einkauf eine wichtige Rolle spielen.

Verbindung zur Gemeinschaft als Grundlage für Glaubwürdigkeit

Die Strategie der Kette stützt sich nicht nur auf das Produktangebot, sondern auch auf den Aufbau einer Position als verantwortungsvoller lokaler Akteur. Der Filialleiter, Maximilian Figerl, der ein 65-köpfiges Team leitet, betont die Bedeutung regionaler Lieferanten. „Hausqualität hat bei uns Priorität. Nur im regionalen Regal bieten wir mehr als 930 Produkte an,“ sagt Figerl und nennt lokale Produzenten von Most, Apfelsaft und Gemüsedrinks aus der näheren Umgebung.

Dieser Versuch, lokal verankert zu sein, hat auch eine soziale Dimension. Das Team der Filiale arbeitet seit langem mit dem Sozialgeschäft „soogut“ in Amstetten zusammen, dem regelmäßig Lebensmittel gespendet werden. Dieses Engagement ist nicht nur ein Marketing-Geste, sondern auch eine praktische Erfüllung gesellschaftlicher Verantwortung, was auch von den Vertretern der Stadt geschätzt wird.

„Mit der neuen Billa Plus Beauty Zone wird ein klares Signal für Qualität und Nähe zu den Kunden gesendet,“ sind sich Vizebürgermeister Gerhard Riegler und Finanzreferent Heinz Ettlinger einig. Die Modernisierung in Amstetten zeigt somit, dass die Zukunft des österreichischen Einzelhandels im Zeichen komplexer Einkaufserlebnisse stehen wird, in denen sich die Qualität der Lebensmittel, ethische Herkunft, moderne Trends und soziale Verantwortung in einem einzigen Einkaufskorb vereinen.

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Quelle: https://medianet.at/news/retail/billa-plus-startet-mit-neuer-beauty-zone-69471.html Foto: https://images.tips.at/image/thumb/news/564060/692976/1200x1200x0/1754322734.6983-wiedereroeffnung-in-amstetten-billa-plus-erweitert-sortiment-um-beauty-zone-3lZYkg.webp