Der Staat übernimmt die Kosten für Impfungen gegen Gürtelrose und Pneumokokken für Senioren, Wien startet massive Grippeimpfaktion

Das österreichische öffentliche Gesundheitssystem durchläuft eine bedeutende Aktualisierung. Der neue Impfplan für die Saison 2025/2026, der vom Gesundheitsministerium vorgestellt wurde, bringt insbesondere für Senioren einen bahnbrechenden Wandel. Ab November haben Personen über 60 Jahre und Risikopatienten Anspruch auf kostenlose Impfungen gegen die gefährliche Gürtelrose und Pneumokokken-Infektionen. Gleichzeitig wird in Wien eine umfangreiche Kampagne für kostenlose Grippeimpfungen vorbereitet. Die Änderungen betreffen jedoch auch andere Impfstoffe, von COVID-19 bis hin zum Schutz vor Zecken.

Die wichtigste Neuerung, die ab dem 1. November in Kraft tritt, ist die Aufnahme von zwei wichtigen Impfstoffen in das Programm für kostenlose Impfungen für Personen über 60 Jahre. Es handelt sich um die Impfung gegen Gürtelrose (Herpes Zoster) und Pneumokokken. Dieser Schritt ist eine Reaktion auf die Tatsache, dass gerade diese Erkrankungen für die ältere Bevölkerung ein ernsthaftes Gesundheitsrisiko darstellen.

Gürtelrose ist eine schmerzhafte Reaktivierung des Varizella-Zoster-Virus, die zu langanhaltenden und schwer zu bewältigenden chronischen Schmerzen führen kann. Pneumokokken sind hingegen die häufigsten Verursacher von bakteriellen Lungenentzündungen, die bei älteren und geschwächten Personen fatale Folgen haben können.

„Es ist ein wichtiger Schritt, um ältere Menschen besser vor schweren Krankheitsverläufen zu schützen,“ sagte die Gesundheitsministerin Corinna Schumann (SPÖ) auf der Pressekonferenz am Freitag. Sie betonte, dass die Bedeutung von Impfungen im fortgeschrittenen Alter stetig zunimmt. „Impfungen sind medizinisch sinnvoll und gleichzeitig auch wirtschaftlich effektiv. Jedes Euro, das wir hier investieren, spart der Gesellschaft hohe Folgekosten, die mit Behandlungen und Krankenhausaufenthalten verbunden sind,“ fügte die Ministerin hinzu. Diese neuen Impfstoffe werden direkt in den Praxen der Allgemeinmediziner verfügbar sein.

Wien bereitet sich auf die Grippe vor, eine Viertelmillion Impfstoffe wird zur Verfügung stehen

Mit dem Herbst rückt traditionell auch der Schutz vor saisonaler Grippe in den Vordergrund. Die Hauptstadt Wien bietet auch in diesem Jahr ihren Bürgern die Möglichkeit zur kostenlosen Impfung an. In Zusammenarbeit mit der Österreichischen Gesundheitskasse (ÖGK), dem Staat und den Gemeinden werden für die Wiener mehr als 250.000 Dosen Impfstoffe bereitgestellt.

Die Impfaktion beginnt offiziell am Montag, den 3. November. Interessierte können jedoch bereits ab dem 15. Oktober einen Termin in einem der beiden zentralen Impfzentren der Stadt reservieren. Die Zentren werden an bekannten Adressen eingerichtet:

  • Impfzentrum TownTown (Thomas-Klestil-Platz 8/2, 1030 Wien)
  • Impfzentrum Schrödingerplatz (Schrödingerplatz 1, 1220 Wien)

Darüber hinaus plant die Stadt auch Impftermine ohne vorherige Anmeldung, die in allen Bezirksämtern (Bezirksvorstehungen) stattfinden werden, um maximale Verfügbarkeit für alle Bürger zu gewährleisten.

Überblick über weitere Änderungen: Von Zecken bis hin zu fast vergessenen Diphtherie

Der neue Impfplan bringt nicht nur Änderungen für Senioren. Die aktualisierten Empfehlungen spiegeln die neuesten medizinischen Erkenntnisse und die epidemiologische Situation bei mehreren Erkrankungen wider.

COVID-19: Es bleibt die Empfehlung für eine Auffrischungsdosis, idealerweise im Herbst. Diese ist für alle ab 12 Jahren vorgesehen, die das Risiko eines schweren Verlaufs reduzieren möchten. Vorrang haben Personen über 60 Jahre und Beschäftigte im Gesundheitswesen. Für Kinder unter 12 Jahren wird eine Impfung nicht allgemein empfohlen, da die Erkrankung bei ihnen in der Regel mild verläuft. Die Impfung wird ihnen jedoch kostenlos angeboten, wenn die Eltern Interesse bekunden.

Zecken-Enzephalitis (FSME): Aufgrund des Klimawandels und milderer Winter beginnt die Zeckensaison immer früher. Experten drängen daher darauf, dass die Menschen nicht bis zum Frühjahr warten und die Grundimmunisierung oder Auffrischung bereits im Januar oder Februar durchführen.

Rückkehr der Diphtherie: Der Plan weist eindringlich auf das Risiko von Diphtherie und die niedrige Impfquote bei Erwachsenen hin. Eine Studie aus dem Jahr 2022 ergab, dass bis zu 36 % der erwachsenen Österreicher keinen ausreichenden Schutz mehr haben. Dabei handelt es sich nicht um eine theoretische Bedrohung – nach mehr als zwanzig Jahren wurden im Jahr 2022 im Land 73 Fälle registriert, darunter ein Todesfall. Weitere Fälle traten auch in den Jahren 2023 und 2024 auf. Regelmäßige Auffrischungsimpfungen gegen Tetanus sollten immer auch eine Komponente gegen Diphtherie enthalten.

Schutz der Kleinsten (RSV): Bedeutende Änderungen betreffen den Schutz von Neugeborenen vor dem respiratorischen Synzytialvirus (RSV), das schwere Entzündungen der unteren Atemwege verursacht. Für Kinder gibt es derzeit keinen aktiven Impfstoff, daher konzentriert sich der Schutz auf passive Immunisierung – die Verabreichung fertiger Antikörper. Neben dem bewährten Präparat Nirsevimab wurde auch ein neues Medikament, Clesrovimab, in das Programm aufgenommen. Eine weitere Möglichkeit ist die Impfung von schwangeren Frauen, die so Antikörper bilden und diese an ihr Kind weitergeben können.

HPV für junge Erwachsene: Auch das erfolgreiche Programm zur nachholenden Impfung gegen HPV für junge Menschen wird verlängert. Personen im Alter von 21 bis 30 Jahren können die erste kostenlose Dosis bis Ende Dezember 2025 erhalten.

Die Ausweitung der kostenlosen Impfungen und die Aktualisierung der Empfehlungen sind ein klares Zeichen dafür, dass Prävention zu einem zentralen Pfeiler der modernen Gesundheitsversorgung wird. Die Investition in den Schutz vor Infektionskrankheiten ist nicht nur ein Zeichen von Verantwortung gegenüber den verletzlichsten Gruppen, sondern auch ein strategischer Schritt zur Nachhaltigkeit des gesamten Gesundheitssystems.

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Quellen: Stadt Wien / Kurier.at Foto: pexels.com